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Brotherhood of Blessed Gérard

Hauskrankenpflege

Wir gehen wohin sonst keiner geht ...

Mit unserem ambulanten Pflegedienst, der in die "letzten Winkel" des Hinterlandes fährt, leisten wir einen einzigartigen Dienst.

Unsere Hauskrankenpflege-Teams fahren vom Care-Zentrum aus jeweils mit einer pflegerischen Fachkraft zu den Kranken und ergänzen und unterstützen die durch die Familie geleistete Häusliche Pflege .

Diese Teams sind auch unser "first responder" wenn wir einen Hilferuf bekommen, dass eine Familie mit der Pflege überfordert ist. Wir leiten dann die Angehörigen der Patienten an, wie sie ihr Familienmitglied sachgerecht pflegen können. Die Krankenschwester entscheidet mit den Angehörigen des Kranken den weiteren Pflegeplan.

Falls die Pflege zu Hause nicht adäquat geleistet werden kann, nimmt das Team, das in der Regel mit einem Krankenwagen unterwegs ist, den Kranken mit zur stationären Aufnahme ins Hospiz.

 

Mit dem Pflegeteam einen Tag unterwegs im Buschland

Mit dem Pflegeteam einen Tag unterwegs im Buschland

Zusammen mit einer Schwester und einem Pflegehelfer sitze ich auf einer Bank hinten im Krankenwagen. Vorne sind die Krankenschwester, die das Team leitet und der Fahrer, der auch ausgebildeter Sanitäter ist. Zuerst geht es in die Township Sundumbili. In einem Untersuchungszentrum gibt die Schwester Auswurfproben zur Tuberkulose-Untersuchung von Patienten ab. Nach einigen hundert Metern halten wir dann wieder. Wir stehen vor einem armseligen  Haus. Die Mitarbeiter des Pflegeteams klopfen. Wir merken, dass die Türe nicht verschlossen ist. Höflich uns vortastend treten wir ein. Wir gehen durch eine kleine Küche in ein Schlafzimmer. Dort blättert der spärliche Putz von den roten gemauerten Steinen. Im Bett sitzt eine junge Frau, die offensichtlich große Schmerzen hat. Der Pflegehelfer misst Blutdruck und Fieber der stark Abgemagerten. Die Schwester überprüft die Einnahme der Medikamente. Die junge Frau hat Aids. Sie war früher schon stationär im Hospiz gelegen, konnte aber wieder entlassen werden. Zuhause hat sich der Zustand der Kranken so verschlechtert, dass die Schwester entscheidet, sie gleich wieder ins Hospiz zu bringen.

Die Ausbildung zur Vollkrankenschwester dauert in Südafrika sechs Jahre. Die Kompetenz dieser fachlich hoch qualifizierten Kraft ist groß. Sie ist unter anderem befugt Patienten zu untersuchen, Medikamente zu verschreiben oder in Krankenhäuser einzuweisen.

Die Medikamente der Frau nehmen wir mit. Alles was sie an Kosmetikartikeln zu Hause hat ist eine Zahnbürste. Unterstützt von den Helfern geht sie mit kleinen Schritten zum Krankenwagen. Wir bringen sie zum Blessed Gérard‘s Hospiz. Dort wird sie eingehend vom Arzt untersucht und stationär aufgenommen.   



Die Fahrt geht weiter nach Mangete. Diesmal führt der Weg über Schotterstraßen und weiter über sehr holperige Feldwege. Kleine Wälder und weite Zuckerrohrfelder säumen den Weg. In die weich abfallenden Hügel in der Ferne sind die Streusiedlungen der Zulu malerisch verteilt. Und immer wieder Palmen, die das Gesamtbild prägen. Der Krankenwagen zwingt sich mittlerweile durch sehr unwegsames Gelände. Ich halte mich mit beiden Händen am Sitz fest. Wir biegen unzählig oft ab bis wir am Ziel sind.  



Ich sorgte mich um meinen Rücken, weil mein Bett zu weich war, bis ich eine Frau traf, die auf dem Boden lag, da sie kein Bett besaß.

Das Team steigt aus und wir stehen vor einer aus Bruchsteinen erbauten Hütte. Sie misst innen ca. 2x3 Meter. Hinter der geöffneten Türe liegt eine abgemagerte Frau am Boden in Decken gehüllt. Ich bin tief erschüttert. Die Frau hustet stark. Sie hat auch Aids. Ihr ganzer Besitz besteht aus wenigen stark verschmutzten Kleidern, einer Spiegelscherbe, zwei Plastiktellern, zwei Bechern, etwas Aluminiumbesteck und einer kleinen Wanduhr, die am Boden liegt und deren Sekundenzeiger sich erstaunlicherweise bewegt. In der einen Ecke des Raumes liegen ein paar Steine, die Feuerstelle. In einer verrosteten Blechdose ist ihr gekochter Maisbrei. Der Topf, den sie besaß, wurde ihr gestohlen. Die Helfer breiten vor der Hütte eine Decke aus und helfen der Kranken nach draußen. Die frische Luft und die Sonne tun ihr sichtlich gut. Wir räumen die Behausung komplett aus und legen alles in die Sonne. Eine der Schwestern telefoniert mit dem Care-Zentrum. Ein Helfer verspritzt etwas Wasser, aus einem Kanister auf dem staubigen Lehmboden. Die Krankenschwester beginnt den Staub und weiteren Schmutz mit der Bürste eines Schrubbers zusammenzukehren. Ich löse sie ab. Zuerst zögert sie. Ich erkläre ihr, dass ich selbst drei Kinder habe, keine Diener und Hauspersonal habe und ich an Arbeit gewöhnt sei, da lässt sie mich gewähren. Alle Decken und Kleidungsstücke stauben wir kräftig aus und legen alles zusammen und räumen alles wieder in die Hütte. Die Helfer richten ihr ein möglichst bequemes Bettlager und sie helfen der Frau wieder in die Hütte. Ihr knochiges Gesicht lächelt. Jetzt messen die Helfer noch Blutdruck und Fieber und sie sprechen dabei viel mit der Schwachen. Die Krankenschwester erklärt mir, dass auch diese Frau bereits im Hospiz war und auf eigenen Wunsch nach Hause wollte, weil sie einen achtjährigen Sohn hat, der sonst ganz alleine zu Hause wäre. Jetzt ist er gerade in der Schule. Als wir fertig sind gehe ich nochmals zu der Frau und wünsche ihr alles Gute und dass ich ihr ein Wunder wünsche. Ich streiche ihr dabei über ihren dürren Arm. Sie versteht zwar meine Worte nicht, aber ihre Augen sagen mir, dass sie mich verstanden hat. Sie schenkt mir ein Lächeln.            



Nun geht der holperige Weg wieder zurück zum Care-Zentrum, wo wir kurz zu Mittag essen.

Zur Physiotherapie nach Sundumbili

Einen Aidskranken, der einen Schlaganfall erlitten hatte und halbseitige Lähmungen hat, bringen wir nun im Krankenwagen zur Physiotherapie nach Sundumbili, damit seine Muskulatur dadurch wieder aufgebaut und gestärkt werden kann. Ich sitze neben ihm und stütze ihn, da er selbst nicht in der Lage ist, sich fest zu halten. Eine Pflegekraft ist mit dabei, der von der Therapeutin angeleitet wird, mit diesem Patienten diese Übungen täglich durchzuführen. Er bekommt einen Übungsplan mit bebilderten Anweisungen als Gedächtnisstütze mit.      



Den Mann, der von der Physiotherapeutin eine Gehhilfe mitbekommt, sitzt später mit gelöstem Gesichtsausdruck im Wagen, es geht zurück ins Hospiz. Er spürt dass ihm geholfen wird. Seine Gesundheit ist anderen wichtig. Er taut richtig auf und spricht mit der Schwester und dem Pfleger. Es herrscht  eine gelöste, angenehme Atmosphäre. Natürlich verstehe ich außer Höflichkeitsfloskeln und ein paar Gebeten kein Zulu. Und die meisten Zulu sprechen kein Englisch. Es ist für mich nicht möglich an der Unterhaltung teilzunehmen.

Ein ergreifendes Band der Liebe wird für mich sichtbar

Wir laden einen Karton ins Auto. Eine Mitarbeiterin steigt mit Schreibunterlagen in der Hand mit in den Krankenwagen. Ich lasse mich wieder überraschen wohin es geht. Diesen Weg waren wir heute schon gefahren. Ich freue mich sehr, als wir wieder vor der Hütte der Frau sind, die kein Bett besitzt. Ihr achtjähriger Sohn steht in der Türe der Hütte. Er trägt die blaue zerrissene Hose, die ich am  Vormittag ausgestaubt und zusammengelegt hatte. Alle Helfer kommen in die kleine Behausung. Jetzt sehe ich was in dem Karton ist: Maismehl, Reis, Zucker, Öl, Bohnen und noch ein paar andere lebensnotwendige Nahrungsmittel. Solche Direkthilfen werden aus dem Blessed Gérard‘s Nothilfe-Fonds finanziert. Die Frau, die mitgekommen ist, ist die Sozialarbeiterin des Care-Zentrums. Sie spricht eingehend mit dem Jungen. Er versorgt seine kranke Mutter offensichtlich alleine. Er teilt uns mit, dass er Angst hat, dass ihnen die Lebensmittel gestohlen werden könnten, nachdem ihnen ja erst der Kochtopf weggenommen worden war. Die kranke Frau sucht Blickkontakt mit mir während die Anderen mit dem Jungen reden. Ihre Augen schweifen zu ihrem Sohn und dann schaut sie mich wieder fest an. Ich nicke ihr zu und ich verstehe, dass er alles ist, was sie hat. Ich bin ergriffen wie sehr sie an ihm hängt und wohl auch von ihm abhängig ist. Dieser Augenblick wird mich wohl nie wieder loslassen. Er hat sich mir tief ins Herz eingeprägt. Mittlerweile werden einige der Lebensmittel in die einzige Plastiktüte die sie haben gepackt und mit Kleidung zugedeckt. Ein Teil des Zuckers findet in einer kleinen Box Platz.



Nun gehen alle aus der Hütte. Ich verabschiede mich wieder und versuche der Frau mit meinem Blick zu versprechen, dass es für sie Hoffnung gibt. Sie lächelt wieder. Mir fällt der Abschied schwer. Der Junge steigt mit uns in den Krankenwagen ein. Die Schwester erklärt mir, dass wir zu Bekannten der Kranken fahren werden. Der Junge sagt, dass die Lebensmittel dort sicher seien. Wir treffen die Familie an, erklären die Sachlage und lassen die Vorräte in deren Haus. Die Schwester notiert die Telefonnummer der Bekannten und nach kurzem Verhandeln kommen die Frau und deren fast erwachsene Tochter mit uns allen zur Hütte der Kranken. Anschließend fahren wir weiter.



Später erfahre ich, dass sich die Bekannten bereit erklärt haben, täglich bei der Kranken vorbeizuschauen. Sie bräuchte dringend stationäre Behandlung im Hospiz, ist aber dazu momentan nicht bereit, weil sie ihren Sohn nicht alleine lassen will und kann. Die Sozialarbeiterin im Care-Zentrum sucht jetzt nach Wegen wie dem Jungen weitergeholfen werden kann, wenn seine Mutter ins Hospiz eingewiesen wird. Für die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten ist es nie zu spät, aber ohne die Behandlung wird sie innerhalb kurzer Zeit tot sein. Falls sie die Medizin regelmäßig einnehmen würde, könnte sie ihr Leben wesentlich verlängern, so dass sie sich dann selbst wieder um ihren Sohn kümmern, wieder arbeiten und dann auch in einer menschenwürdigeren Behausung wohnen könnte.

Durch antiretrovirale Medikamente werden die HI-Viren an der Vermehrung im Blut gehindert. Das bedeutet für den Patienten, dass er sich bald völlig wohl fühlt und weitere 15, 20 oder gar 25 Jahre bei guter Gesundheit weiterleben kann. Die Medikamente müssen regelmäßig und ohne Unterbrechung eingenommen werden, um den Behandlungserfolg zu gewährleisten.

Jetzt führt der Weg wieder auf die Hauptstraße zurück und bald biegen wir auf der gegenüberliegenden Seite wieder ab und sind eine Zeitlang auf Buschwegen unterwegs, bis wir den nächsten Patienten antreffen. Ein Mann, der viele Wunden am Rücken gehabt hatte, wird nachuntersucht. Sein Zustand hat sich mittlerweile stark gebessert und es sind nur noch Verkrustungen geblieben. Die Schwester schreibt ihren Behandlungsbericht in die  Krankenakte, die für jeden Patienten mitgeführt wird. Der Mann hat wieder Grund zum Lachen. Das ist die Hauptsache.



Auf der Fahrt bekommt die Krankenschwester einen Anruf. Wir wenden und fahren ein Stück des Weges zurück. Wir biegen auf einen Feldweg ein. Ein Mann steht uns in einem Pickup gegenüber und macht deutliche Gesten wo wir hinfahren sollen. Offensichtlich braucht man unsere Hilfe. Nach relativ kurzer Fahrzeit über mittlerweile gewöhnt holperige Feldwege kommen wir zu einem Haus. Der Mann mit dem Pickup ist auch schon da und führt uns ins Haus. Seine Mutter liegt im Bett und die Krankenschwester schlägt die Decke zurück. Die Frau hat am Rist des linken Fußes eine Verbrennung zweiten Grades. Die Schwester reinigt die großflächige Wunde zunächst mit einer Desinfektionslösung und anschließend mit einer Wundheilsalbe und sterilen Kompressen und legt einen Verband an. Blutdruck und Temperatur werden routinemäßig auch gemessen. Die Schwester führt noch einen Blutzuckertest durch. Sie empfiehlt ihr zur örtlichen Klinik bringen zu lassen um sich dort ein Antibiotikum geben zu lassen. Das Team gibt den Angehörigen noch Empfehlungen.



Auf der Rückfahrt blicke ich aus dem schmalen Sichtbereich des Sanitätsfahrzeuges in die Hügellandschaft mit deren Grashalmen die untergehende Sonne spielt. Ich bin voll Bewunderung für dieses Team, das tagein tagaus diesen Dienst bei den Armen leistet. Sie halfen unermüdlich, kompetent und menschlich. Ja vor allem ihre Menschlichkeit hat sich als festes Bild bei mir eingeprägt.

Mechthilde Lagleder  


„Hier sind wir die einzigen die helfen“

„Hier sind wir die einzigen die helfen“

Es ist 8:30 Uhr  und das allradgetriebene Geländefahrzeug steht vor dem Care Centre bereit. Heute habe ich die Gelegenheit mit Patrick und Wiseman zu Ihren Hausbesuchen zur AIDS-Therapie Begleitung hinauszufahren. Ich kenne beide von früheren Besuchen und es ist ein schönes Wiedersehen. Da Bedingung für den Erfolg der antiretroviralen Therapie eine regelmäßige unterbrechungslose Medikamenten-Einnahme ist, aber die meisten Patienten weitab in Slums und den Streusiedlungen verteilt im Zululand wohnen und selbst kaum in die Sprechstunde des Care Centres kommen können, sind regelmäßige Hausbesuche  eine Voraussetzung dieser Behandlung.  Mehrere Hundert AIDS-Patienten bekommen durch die Bruderschaft des Seligen Gerhard eine Antiretrovirale Therapie. Nach umfangreichen Schulungen vor Beginn der Therapie müssen die Patienten regelmäßig nachbetreut werden. Antiretrovirale Therapie ist  weit mehr als nur Tabletten verteilen, wie manche Menschen weit in Europa oft glauben. Eine komplexe Beratung vorher, eine umfangreiche ärztliche Behandlung und eine professionelle Weiterbetreuung durch Hausbesuche gehören zu diesem Programm. Wichtig auch deshalb, weil viele Patienten oft gar nicht lesen oder schreiben können. Die Patienten sind bettelarm, leben unter widrigsten Verhältnissen und hätten keinen  südafrikanischen Rand um die lebensnotwendige Therapie zu bezahlen. Aber ohne die Behandlung würden sie sehr schnell in das Endstadium von AIDS kommen und sterben müssen. Unter der Behandlung kann der Ausbruch der Krankheit über viele Jahre bis Jahrzehnte hinausgezögert werden und in dieser Zeit können  diese Menschen ihre Kinder großziehen, einer Arbeit nachgehen und ihre Gärten und Felder bestellen und weiterleben.

In das Therapieprogramm (HAART-Programm) können HIV positive oder bereits an AIDS erkrankte  Menschen  unter bestimmten medizinischen Kriterien aufgenommen werden. Ein medizinisch komplexer Entscheidungsmechanismus, der vom ärztlichen Leiter des Zentrums der Bruderschaft des Seligen Gerhard, Dr. Khaya Nzimande, unter Anwendung international anerkannter Kriterien, verantwortet wird.

Da nur ein einziger Tag versäumter Medikamenteneinnahme eine Mutation des Virus und damit  das Ende der Behandlungsmöglichkeit  und den erneuten Ausbruch der Krankheit bewirken kann, ist eine kontinuierliche Betreuung wichtig. Diese Betreuung übernehmen Patrick und Wiseman in Hausbesuchen. Die beiden sind  mit je einem Geländeeinsatzfahrzeug täglich unterwegs um diese Menschen in Ihrem Wohnungsumfeld zu besuchen.

Abfahrt: Ich sitze neben Patrick auf dem Beifahrersitz. Wir unterhalten uns, haben viel zu berichten. Die Bruderschaft des Seligen Gerhard heißt in kirchlicher Tradition nicht nur so -  in dieser gemeinsamen Hilfe sind wir als Helfer auch wirklich Brüder (und Schwestern).

Wir fahren aus dem Care Centre heraus und biegen auf die gut asphaltierte Wohnstraße ein, fahren bis zur Kreuzung an der Papierfabrik SAPPI vorbei.  Die Fahrt  weiter in Richtung des Townships ISithebe und weit darüber hinaus. Vor einigen Jahrzehnten war hier Buschland, dann haben sich große Fabriken angesiedelt, viele Menschen sind hergezogen, aber später auch mit dem Ergebnis großer Arbeitslosigkeit und Armut durch Änderungen industrieller Produktionsweisen und  ökonomischer  Verwerfungen. Irgendwann verlassen wir die geteerten Straßen.  Ab hier ist  Geländegängigkeit eines Fahrzeugs  Voraussetzung um weiterzukommen. Auf Wegen, die den Namen Straße nicht mehr verdienen  geht es „über Stock und Stein“ weiter. Die Fahrzeuge der Bruderschaft des Seligen Gerhard sind hier draußen bekannt. Wir werden von vielen Menschen mit Freude begrüßt, kleine Kinder winken uns zu. Die Bruderschaft des Seligen Gerhard ist oft  die einzige Hilfe, die die Menschen hier draußen bekommen.

Zusammen mit Patrick besuche ich  Menschen, die teilweise und widrigsten Bedingungen ohne Strom und ohne Sanitäreinrichtungen  in sehr einfachen Hütten wohnen. Menschen, bei denen sich aber auch der positive Effekt der antiretroviralen  Therapie zeigt. Diesen Menschen kann durch diese Therapie ein symptomfreies aktives Leben ermöglicht werden. Ohne diese durch die von der Bruderschaft des Seligen Gerhard angebotenen ärztlich geleiteten Therapie würden diese Menschen  schnell sterben wie so viele andere auch. So fahren wir einen unwegsamen Pfad herauf, der nur mit dem Four-Wheel-Drive befahrbar ist. Plötzlich liegt ein Baumstamm quer über den Weg, es geht nicht weiter. Patrick und ich steigen aus und müssen erst einmal den Baumstamm zur Seite räumen. Bald erreichen wir  eine einfache Hütte ohne jeden Komfort. Der einzige Luxus ist ein im freien stehendes WC-Häuschen, natürlich ohne sanitäre Installation – einen Kanalisationsanschluss gibt es hier nicht. Uns begrüßt ein etwa 30 Jahre alter Mann in sehr ärmlicher teilweise zerrissener Kleidung. Aber er ist frohen Mutes und erscheint gesund. Er ist sehr dankbar und für die durch die BBG geleistete Therapie und dafür, dass es ihm wieder so gut geht. Nur durch unsere Hilfe konnte er die Symptome eines fortgeschrittenen AIDS überwinden und wieder zu Kräften kommen. Wenn er weiterhin seine täglichen Medikamente nimmt kann er sicher noch ganz viele Jahre ein aktives  Leben führen. Früher sind noch viele mehr Menschen an den Folgen von  AIDS gestorben und noch immer sterben viel zu  viele (In Afrika pro Jahr 2 Millionen Menschen) täglich an den Folgen dieser Erkrankung ärmlich in Ihren Hütten. Aber dieser Mann ist ein Beispiel, dass die Hilfe auch weitergeht. Voller Stolz zeigt er uns seinen neu angelegten Garten, dessen Gemüse er verkaufen kann um sich etwas zu verdienen.

Noch weiss ich nicht dass ich an diesem Nachmittag zusammen mit Wiseman auch zu Leuten komme, bei denen es für eine Therapie viel zu spät ist. Menschen, die ohne unsere Hilfe bis auf die Knochen abgemagert auf dem Lehmboden ihrer Hütten ohne Pflege, ohne Sanitäreinrichtungen, ohne Strom und ohne menschliche Zuwendung sterben müssten. 

Gegen Mittag nach einem Vormittag in den Armut-Gegenden und Siedlungen und einiger Besuche bei Menschen, die durch die antiretrovirale Therapie ein zwar armes aber symptomfreies aktives Leben führen können kehren wir aus den Townships  und den darüberhinausgehenden Siedlungsgebieten im Zululand ins Care Centre zurück.  In einen Himmel von Zuwendung und Pflege; so empfinde ich es wirklich, wenn ich die bittere Armut da draußen mit dem sauberen, hellen und freundlichen  Pflegezentrum vergleiche.

Nachmittags fahre ich eine andere Route zusammen mit Wiseman. Erneut verlassen wir das Pflege- und Hospiz-Zentrum und machen uns auf den Weg in die Townships. Wieder verlassen wir die geteerten Straßen. Die Wohnsituation der Menschen wird immer trostloser. Einfache Hütten,  als einziger „Luxus“  wieder ein Klohäuschen im freien ohne Wasserspülung. Über Wege, die als solche nur noch kaum erkennbare sind, arbeitet sich der allradgetriebene  auch nur durch Spenden finanzierte Geländewagen eine Anhöhe herauf. Wieder sind wir hier die einzigen die zur Hilfe kommen. Die Menschen sind im Grunde verlassen und allein. Wir kommen in die Hütte eines jungen Mannes, um die 20 Jahre alt  dürfte  er sein. Das einzige Zimmer besteht aus ganz wenigen uralten Möbeln, die in Europa sogar beim Sperrmüll negativ auffallen würden. Der Mann, auf einem Augen blind, sitzt in sich gekehrt auf einem Stuhl. Der Blick in die Ferne gerichtet. Er klagt über Schmerzen und Taubheitsgefühl in den Beinen.  Wiseman erkennt sofort, dass  dieser Mann den Arzt im Therapiezentrum aufsuchen müsste,  damit dieser die Ursachen der Beschwerden herausfindet und helfen kann. Nur kann dieser Mann nicht aus eigener Kraft in das Care Centre kommen. Er kann sich keinen Transport organisieren, ja nicht einmal Geld um  für seine Nahrung sorgen, er hat keine Arbeit. Er lebt  von der medizinischen Hilfe der BBG und auch durch Nahrungsmittelspenden dieser. Aber helfen muss man ihm und so organisiert  Wiseman über sein Mobiltelefon einen Termin mit unserem  Arzt und wird ihn dann selbst in seinem Einsatzfahrzeug abholen und ihn in das Therapiezentrum  bringen. Wir fahren weiter zu einer  Familie. Sehr betroffen berichtet mir Wiseman dass diese ganze Familie HIV positiv und teilweise bereits an AIDS erkrankt. Nur durch die Antiretrovirale Therapie kann diesen Menschen ein symptomfreies aktives Leben ermöglicht werden. Heilbar  im eigentlichen Sinne ist AIDS nicht -  durch die Therapie kann aber der Ausbruch der Krankheit um bis zu zwei Jahrzehnte hinausgezögert werden. Andernfalls würde diese ganze Familie schon bald sterben müssen. Und das ist nicht nur eine Seltenheit hier sondern eigentlich in den letzten Jahren  der Normalfall gewesen. Und noch immer müssen zu viele Menschen sterben und brauchen die Pflege und Zuwendung im Hospiz. Weder die staatlichen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen  noch die staatlichen Therapieeinrichtungen haben die erforderlichen Kapazitäten ausreichend Hilfe zu leisten. Viele Menschen sind angewiesen auf die spendenbasierte Hilfe einer humanitären Hilfsorganisation wie der Bruderschaft des Seligen Gerhard.

Wir fahren weiter zu einer Familie, die wieder unter sehr armen Verhältnissen lebt. Die Patientin ist die 16 jährige Tochter.  Vor wenigen Jahren wurde sie vergewaltigt und hat jetzt selbst einen Säugling, der ebenfalls bei ihr und den Eltern lebt. Auch das leider eine ganz normale Geschichte in diesem Teil der Welt. Noch immer herrscht bei vielen HIV-positiven Männern hier der Glaube durch sexuellen Verkehr mit einer HIV-negativen Jungfrau könnte man den Virus wieder loswerden. Dadurch wird HIV/AIDS weiterverbreitet und daher sind auch Aufklärungsprogramme wichtig und ein solches Aufklärungsprogramm ist eines  der  Projekte der Bruderschaft des Seligen Gerhard. Nun ist das Mädchen selbst  HIV positiv  und nur durch die antiretrovirale Therapie kann sie leben und für ihren kleinen Säugling sorgen. Doch hier werden wir alarmiert. Die Mutter des Mädchens bittet  uns doch mal nach dem Nachbarn zu schauen, dem geht es wirklich schlecht. Um dort hin zukommen nehmen wir unseren Wagen und fahren ein Stück über einen Hügel. Wiseman berichtet mir „staatliche Krankenwagen fahren hier draußen nicht hin. Sie haben keinen Allrad und nicht genug Fahrzeuge und es ist zu weit. Die etwas „reicheren“ Leute wohnen in einfachen Hütten an den geteerten Straßen, die ganz armen in noch primitiveren Hütten hier  weit draußen und allein.“ Dort betreten wir eine dunkle, schmutzige feuchte Wellblechhütte. Auf einer alten rostigen Liege  ohne Matratze nur mit einer Decke liegt ein völlig abgemagerter hilfloser Mann und hustet schrecklich. Er hat Tuberkulose und  natürlich  auch AIDS. Seine Tuberkulosetabletten hat er schon lange nicht mehr genommen. Immer schwächer liegt er nun absolut hilflos da, bis auf die Knochen abgemagert. Ohne Hilfe würde dieser Mann die kommenden  Tage wahrscheinlich nicht überleben. Wir kennen sofort dass dieser Mann in das Hospiz muss. Staatliche Krankenhäuser würden diesen Mann nicht versorgen. Er hat nichts, kann nicht bezahlen und ist natürlich nicht krankenversichert (weil es ein staatliches Krankenversicherungssystem wie z.B. in Westeuropa nicht gibt) und Personal und Medikamente fehlen in den staatlichen  Krankenhäusern auch oft. In unserem Geländefahrzeug können wir ihn nicht mitnehmen und Wiseman telefoniert mit der Besatzung der Ambulance. Schon bald kommt die Ambulance der BBG zusammen mit zwei ausgebildeten Krankenschwestern und Sanitätern und bringt den armen Mann mit seinem Einverständnis aus der Hölle dieses Drecks und der Armut in den Himmel der Pflege und der Zuwendung  des Care Centres. Wahrscheinlich ist es zum ersten Mal in seinem Leben, dass diesem Mann überhaupt jemand hilft. Wenn ich ihn sehe erscheinen in meinem Kopf die Bilder von den KZ-Opfern, genau so abgemagert ist er und genauso krank. Ich habe in meiner über 20 jährigen Arbeit als Arzt vermutlich  viel gesehen, aber hier muss ich gewaltig mit meinen Gefühlen kämpfen. Ich spüre dass mir bald die Tränen kommen aber ich bin als Helfer hier und muss Professionalität zeigen.

Aber gut erinnere ich mich  wie ich diese Situationen vor einigen Jahren hier im Zululand zusammen mit  meiner Frau Martine zum ersten Mal erlebt habe. Auch damals sind wir beim  Einsatz stark geblieben, haben aber oft genug am Abend nach einem solchen Tag geweint - aus Trauer für diese Menschen aber auch aus Glücklichkeit darüber dass die Bruderschaft des Seligen Gerhard diesen armen Menschen Hilfe bringen kann. Für jeden einzelnen dieser Menschen lohnt sich dieser ganze Aufwand und die ganze Hilfe - bedingungslos.

Auf unserer weiteren Fahrt werden wir mit vergleichbaren  Situationen konfrontiert. Das Bild ist ähnlich und im Grunde genommen kaum mit Worten zu beschreiben.  Nach diesem langen Tag, an dem ich in den Slums und Townships diese Menschen in ihrer Armut und Krankheit sehe,  aber auch die positiven  Entwicklungen der  durch die Hilfe der Bruderschaft des Seligen Gerhard geleisteten Therapie, gehen mir viele Bilder durch den Kopf. Der Wohlstand in Europa und die Notwendigkeit der Hilfe. Und mein dringender Aufruf an alle Leser dieses Newsletters, die weitere Arbeit  der  Bruderschaft des Seligen Gerhard mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und Spenden zu unterstützen. Es ist wirklich wichtig. Es geht um Leben und Tod und um die Menschenwürde -  und um nichts  weniger.

Dr.med. Andreas Heinze


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